Beziehungsdreieck: Schüler - Lehrer - Eltern
Während der Mensch in den meisten Fällen selbst entscheiden kann, ob und in welcher Weise er Beziehungen zu anderen Menschen aufnimmt, führt der gesetzlich vorgeschriebene Schulbesuch eines Kindes zu Zwangsbeziehungen.
Im Regelfall können weder Eltern noch Lehrer sich das jeweilige Gegenüber aussuchen. Die Eltern bekommen in ihrer gesetzlichen Erziehungsaufgabe zum Wohl des Kindes einen – im Laufe des Schullebens – mehrere Miterzieher, dessen Auftrag außer Bildung und Erziehung des Kindes auch die Selektion ist.
Im Zwang, die Leistung eines Kindes bewerten zu müssen, was immer eine Kollision zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule in sich trägt, liegt der problematische Unterschied in den Beziehungen der Lehrer bzw. der Eltern zum Kind. Die Beziehungen besonders zwischen Eltern und Lehrern werden nicht unbelastet aufgenommen. Beide Beteiligten bringen ihre eigene Vorgeschichte mit ein:
Eigene Erfahrungen als Kind in der Schule,
Als Erzieher und „Lehrer“ der eigenen Kinder und als Angehöriger der Gruppe „Eltern“ bzw. „Lehrer“.
Dazu kommt bei beiden die Sorge, vom jeweils anderen bei pädagogischen Unzulänglichkeiten „ertappt“ zu werden. Außerdem kann der Erziehungsstil des einen den jeweils anderen verunsichern.
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Beziehungsdreieck: Schüler - Lehrer - Eltern
Während der Mensch in den meisten Fällen selbst entscheiden kann, ob und in welcher Weise er Beziehungen zu anderen Menschen aufnimmt, führt der gesetzlich vorgeschriebene Schulbesuch eines Kindes zu Zwangsbeziehungen.
Im Regelfall können weder Eltern noch Lehrer sich das jeweilige Gegenüber aussuchen. Die Eltern bekommen in ihrer gesetzlichen Erziehungsaufgabe zum Wohl des Kindes einen – im Laufe des Schullebens – mehrere Miterzieher, dessen Auftrag außer Bildung und Erziehung des Kindes auch die Selektion ist.
Im Zwang, die Leistung eines Kindes bewerten zu müssen, was immer eine Kollision zum Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule in sich trägt, liegt der problematische Unterschied in den Beziehungen der Lehrer bzw. der Eltern zum Kind. Die Beziehungen besonders zwischen Eltern und Lehrern werden nicht unbelastet aufgenommen. Beide Beteiligten bringen ihre eigene Vorgeschichte mit ein:
Eigene Erfahrungen als Kind in der Schule,
Als Erzieher und „Lehrer“ der eigenen Kinder und als Angehöriger der Gruppe „Eltern“ bzw. „Lehrer“.
Dazu kommt bei beiden die Sorge, vom jeweils anderen bei pädagogischen Unzulänglichkeiten „ertappt“ zu werden. Außerdem kann der Erziehungsstil des einen den jeweils anderen verunsichern.
Alle diese Punkte führen dazu, dass das Verhalten gegenüber dem anderen nicht so sehr am Kind orientiert ist, sondern zum großen Teil bestimmt wird durch die Abwehr eigener Ängste. Es geschieht nicht, was zum Wohle des Kindes nötig ist, sondern was jeder unter Berücksichtigung seiner eigenen Ängste für richtig hält.
Das macht das Verhalten aller Beteiligten wenig flexibel. Die Abwehr eigener Ängste führt auch dazu, dass ein Gesprächspartner sich vorschnell angegriffen fühlt und dann das Gespräch nur zur eigenen Verteidigung führt und sich so nicht um die Lösung des anstehenden Problems bemühen kann.
Die Beziehungen in dem Dreieck Schüler-Lehrer-Eltern werden von außen beeinflusst durch Vorurteile und Klischees:
und durch aktuelle pädagogische Strömungen:
die Gewichtung von Grundfertigkeiten gegenüber dem Sozialverhalten
Zwangsläufig sind auch die Erziehungsstile unterschiedlich, da diese immer einen Kompromiss zwischen eigenem Wunsch und vorhandenen Möglichkeiten darstellen und selbst bei – im Idealfall – derselben Zielvorstellung aufgrund unterschiedlicher äußerer Möglichkeiten anders geprägt sind.
Es ist menschlich, sich bei Misserfolgen ein Alibi zu verschaffen. Schädlich für ein Kind wird es aber, wenn die Eltern die Schule dafür als Schuldigen ansehen und umgekehrt.
Sowohl Eltern als auch Lehrer haben Schwächen; eine erfolgreiche Kooperation ist aber nur dann möglich, wenn nicht der eine dem anderen seine Schwäche vorhält, um sich Selbst zu entlasten.
In den Beziehungen Schüler-Lehrer-Eltern sind drei Paktbildungen möglich:
Grundsätzlich aber sprengen Pakte zwischen zwei von den drei Beteiligten ausgewogene Beziehungen zwischen allen.
In mehr oder weniger bewusster Weise gehen in den Erziehungsstil (wie in unser gesamtes Verhalten) eigene Wertvorstellungen ein und bestimmen unsere Bewertung des jeweils anderen Verhaltens. So kann derselbe Lehrer gleichzeitig von verschiedenen Eltern als zu lasch oder zu streng eingeschätzt werden, je nach der eigenen Wertvorstellung von „richtiger“ Erziehung. Es ist nützlich für die Beziehung, sich klar zu machen, dass zu jeder Wertvorstellung ein Unwert gehört,
zur Toleranz die Gleichgültigkeit
zu Engagement der Fanatismus.
Es birgt großen Schaden für jede Beziehung, wenn dem jeweils anderen der zugehörige Unwert vorgeworfen wird, statt den von dem anderen gewollten Wert zu akzeptieren.
Ein Beispiel:
Wenn ein Lehrer überzeugt ist, dass eine Klasse sehr detailliert angeleitet werden muss, dann richten sich Vorwürfe von Eltern, die anderer Meinung sind, nicht gegen den Wert „Anleitung“ sondern gegen den zugehörigen Unwert "autoritäre Gängelung". Ebenso wird mit einem Lehrer, der großen Wert auf freie Entfaltung, der Schüler legt, nicht über den Grad der Entfaltung diskutiert, sondern es wird ihm „orientierungsloses Treibenlassen" vorgeworfen.
Wieder von Extremfällen abgesehen, haben meistens beide Wertvorstellungen ihre Berechtigung. Damit können Kinder nur dann nicht umgehen, wenn eine Partei der anderen deren Wertvorstellung als Fehler vorwirft, wobei als Vorwurf dann der zugehörige Unwert benutzt wird. Man muss sich für eine fruchtbare Kooperation darüber klar sein, dass der einen selbst störende Unwert (z.B. "Treibenlassen") vom anderen nicht gewollt ist, sondern der andere will den zugehörigen Wert (z.B. "freie Entfaltung“). Man sollte sich auch über den zu der eigenen Wertvorstellung gehörigen Unwert klar sein: "Meine Konsequenz wird von dem anderen als autoritärer Erziehungsstil gesehen."
Selbst die besten Voraussetzungen im Sinne der vorhergehenden Ausführungen garantieren noch kein fruchtbares Gespräch. Ein Gespräch ist dann fruchtbar, wenn das Sachthema (der Lehrer und die Eltern) ausgewogener Gegenstand des Gesprächs ist. Sehr leicht dominiert einer der drei Punkte. Eltern oder Lehrer sprechen nur über ihre eigenen Probleme oder es entsteht eine allgemeine Diskussion über das Sachthema, ohne das akute Problem, das Anlass zu dem Gespräch war, wirklich zu erörtern. Der Erfolg eines Gespräches hängt davon ab, ob es den Beteiligten gelingt, das Thema einzugrenzen und dann auch nur dieses eingegrenzte Thema zu behandeln, ohne „um das Problem herum" zu reden.
Zwei weitere Aspekte, die eine Rolle spielen:
Die Rolle des Lehrers hat für Kinder und Eltern verschiedene Aspekte; der Lehrer ist Mensch, Kollege von anderen Lehrern, Pädagoge und Fachmann auf seinem Fachgebiet. Oft bleibt bei einem Gespräch unklar, welche dieser Rollen angesprochen sein soll. Ist z.B. das Problem ein organisatorisches, so kann die Antwort als Pädagoge anders ausfallen als die Antwort als Kollege der anderen Lehrer.
Eltern‑Lehrer‑Gespräche finden in der Regel in der Schule statt. Das bedeutet für die Eltern, dass sie ihre gewohnte Umgebung verlassen und in die für den Lehrer gewohnte Umgebung überwechseln. Der Lehrer hat also immer dem Heimvorteil für sich. Dieses Hindernis könnte durch Hausbesuche der Lehrer oder durch Treffen an einem dritten Ort abgebaut werden.
Abschließend bleibt als Fazit:
Von beiden Seiten ist guter Wille und gute Vorbereitung nötig, um ein sinnvolles Lehrer-Elterngespräch führen zu können. In einem Spannungsfeld kann nicht gelernt werden. Wir müssen alle gemeinsam dafür Sorge tragen und Verantwortung übernehmen, dass in einem Klassenverband, in der Schule, im Elternhaus ein gesundes Klima herrscht. Ein Klima das geprägt ist von gegenseitiger Toleranz und Anerkennung. Aufgestellte Regeln und das reglementieren von nicht eingehaltenen Regeln gehört in Elternhaus und Schule unabdingbar zum Prozess der Persönlichkeitsentwicklung.
Das umgehen mit Gefühlen, die Beziehung zu- und untereinander, der Umgang mit Enttäuschungen, der Verzicht auf Gewalt, die Stärkung des Selbstvertrauens und die Prozesse zur eigenen Entscheidungsfindung sind in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eine nicht zu unterschätzende Größe im Schulalltag.
Weder Eltern noch Lehrkräfte werden für diese wichtige Aufgabe ausgebildet.