Orientierungsrahmen - Schulqualität in Niedersachsen

Vorwort

von: Heinz-Wilhelm Brockmann, Niedersächsisches Kultusministerium, Referatsgruppe Innovationen

Die Fragen nach der Qualität von Schule und Unterricht und nach Möglichkeiten der Qualitätsverbesserung sind seit der Veröffentlichung der PISA-Befunde drängender als je zuvor. Dazu ist allerdings zu klären was unter Schulqualität zu verstehen ist und worauf Schulen und Schulbehörden besonders zu achten haben, wenn sie die pädagogische Qualität sichern und verbessern wollen.

Homepage / Startseite  Imprint / Impressum  prev Abkürzungsverzeichnis  IndexPage  next .  Read complete article | Lesen Sie den vollständigen Artikel 

Vorwort

von: Heinz-Wilhelm Brockmann, Niedersächsisches Kultusministerium, Referatsgruppe Innovationen

Die Fragen nach der Qualität von Schule und Unterricht und nach Möglichkeiten der Qualitätsverbesserung sind seit der Veröffentlichung der PISA-Befunde drängender als je zuvor. Dazu ist allerdings zu klären was unter Schulqualität zu verstehen ist und worauf Schulen und Schulbehörden besonders zu achten haben, wenn sie die pädagogische Qualität sichern und verbessern wollen. Maßstab von Qualität sind dabei der Bildungsauftrag des § 2 des niedersächsischen Schulgesetzes sowie weitere Vorgaben des Landes wie Grundsatzerlasse, Rahmenrichtlinien, Standards, Prüfungsanforderungen, aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse insbesondere der Schulentwicklungsforschung. Die eigentliche Arbeit der Qualitätssicherung leisten die Kollegien und die Lehrkräfte. In den Schulen muss geklärt werden, welche curricularen, didaktischen und schulentwickelnden Maßnahmen einzuleiten sind, um allen Schülerinnen und Schülern eine möglichst umfassende Bildung und einen optimalen Schulabschluss zu ermöglichen. Dabei steht jede Schule vor ganz spezifischen Herausforderungen. Die derzeitige Qualitätsdebatte ist auch eine Chance zu schulischer Selbstreflexion und Klärung dessen, was gemeinsam gewollt wird.

Mit dem „Gesetz zur Verbesserung der Bildungsqualität und zur Sicherung von Schulstandorten“ vom Juni 2003 hat die neue Landesregierung wesentliche Strukturentscheidungen getroffen. Dazu gehören u. a. Abschlussprüfungen am Ende der der Sekundarstufe I, landesweite Vergleichstests sowie das Zentralabitur. Die Schulen und die Lehrkräfte erhalten auf diese Weise klare Orientierungen im Hinblick auf fachliche Standards sowie wichtige Vergleichsdaten. Eine weitere folgenreiche Aussage des Gesetzes ist die Qualitätsverantwortung der Schulleiterinnen und Schulleiter. Diese bezieht sich nicht nur auf die Unterrichts- und Erziehungsarbeit, sondern auch auf die Situation und die Entwicklung der Schule als Ganzes.

Moderne Qualitätsmanagementsysteme überwachen sehr differenziert die Ergebnisse, sie überprüfen aber auch die Prozesse und die organisatorischen Strukturen. Sie nehmen jeweils das ganze System in den Blick. Genau dazu soll der Orientierungsrahmen „Schulqualität in Niedersachsen“ die Schulen anregen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was kennzeichnet eine gute Schule?

Im Rahmen der Pilotphase zur Schulprogrammentwicklung und Evaluation in Niedersachsen und des BLK-Programms „Qualitätsverbesserung in Schulen und Schulsystemen“ (QuiSS) erarbeiteten Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Schulen, des Niedersächsischen Landesinstituts für Bildung und Schulentwicklung (NLI), der Bezirksregierungen und des Niedersächsischen Kultusministeriums eine erste Fassung des Orientierungsrahmens. Sie wurde im November 2001 veröffentlicht. Damit wurde erstmals in einem Bundesland ein Gesamtkonzept zur Schulqualität vorgelegt und zur Diskussion gestellt. Dass diese Konzeption in den vergangenen zwei Jahren von über 1000 Schulen nachgefragt wurde, ist ein Zeichen dafür, dass sie eine Lücke füllte. Nach zahlreichen Anregungen aus verschiedenen Landesprojekten ("Qualitätsentwicklung in Netzwerken", QuiSS, ProSchub, BLK-Programm „21“) wurde der Orientierungsrahmen im Sommer 2003 überarbeitet. Als besonders hilfreich erwiesen sich dabei Hinweise aus dem Kooperationsprojekt zur Schulinspektion mit den Niederlanden, aus der Erprobung des EFQM-Modells[1] in den QuiSS-Schulen und aus dem Internationalen Netzwerk Innovativer Schulen der Bertelsmann Stiftung.

Das im Orientierungsrahmen vorgestellte Qualitätskonzept soll folgende Funktionen erfüllen:

  1. Impulse für eine an Standards und Kriterien ausgerichtete landesweite Qualitätsdebatte im Schulbereich geben,
  2. die Schulentwicklung und Schulprogrammentwicklung der Schulen in Niedersachsen unterstützen und inhaltlich an wichtigen Handlungsfeldern orientieren,
  3. Eigenverantwortlichen Schulen einen Bezugsrahmen für schulinterne Maßnahmen der Qualitätssicherung und Evaluation bieten,
  4. die Grundlage bilden für externe Evaluation bzw. schulaufsichtlich neutrale Inspektion und für die Auslobung eines Qualitätspreises „Beste Praxis niedersächsischer Schulen“.

Im Mittelpunkt wird zunächst die Selbstevaluation stehen. Ziel ist es, in allen niedersächsischen Schulen eine Evaluationskultur zu etablieren. Diese umfasst im Kern die regelmäßige Bewertung der Unterrichts- und Erziehungsarbeit und ihrer Ergebnisse.

Längerfristig angestrebt wird ein systematisches Qualitätsmanagement, das interne und externe Evaluation verbindet und der qualitativen Weiterentwicklung von Schule und Unterricht, zugleich aber auch der Rechenschaftslegung dient.

Im Orientierungsrahmen werden insgesamt sechs „Qualitätsbereiche“ vorgestellt:

  1. Ergebnisse und Erfolge der Schule
  2. Lernkultur – Qualität der Lehr- und Lernprozesse
  3. Schulkultur
  4. Schulmanagement
  5. Lehrerprofessionalität und Personalentwicklung
  6. Ziele und Strategien der Qualitätsentwicklung

Diesen Qualitätsbereichen sind insgesamt 32 Qualitätsmerkmale zugeordnet. Erstmals werden nun auch 90 Qualitätskriterien und entsprechende Schlüsselindikatoren formuliert, die es den Nutzern erleichtern, die entscheidenden Fragen zu beantworten:

„Woran erkennen wir, was schon gut ist, wo wir noch besser werden können und wo nachgearbeitet werden muss?“ Hinweise gibt es auch zu den Methoden und Instrumenten, mit denen die Indikatoren erhoben werden können.

Die Fülle von Aspekten, die eine gute Schule ausmachen sollen, mag manchen als Übertreibung erscheinen. Dabei sollte eines ganz klar sein: Mit der Vorlage des überarbeiteten Orientierungsrahmens ist keineswegs die Erwartung verbunden, dass die Schulen nun alle Kriterien und Indikatoren „abhaken“ sollen. Sie sollen zunächst einen Überblick erhalten, um dann für ihre spezifische Situation zu entscheiden, welche Bereiche, Merkmale oder Kriterien für die Entwicklung ihrer Arbeit besonders relevant sind. Alle Schulen sollten sich aber mehr oder weniger regelmäßig fragen,

Auch die jetzt vorgelegte Fassung des Orientierungsrahmens ist kein Endprodukt. Sie soll zur weiteren Diskussion anregen und zum Ausprobieren ermutigen. Im Jahre 2005 sollte es dann möglich sein, die Erfahrungen auszuwerten und zu einer verbindlichen Arbeitsgrundlage für die Qualitätsentwicklung in den niedersächsischen Schulen zusammen zu führen.

Es bleibt mir, allen herzlich zu danken, die sich bei der Überarbeitung engagiert haben. Mit ihnen gemeinsam darf ich hoffen, dass der Orientierungsrahmen ihre Anstrengungen um eine bessere Schule unterstützt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns ein gutes Gelingen.

Heinz-Wilhelm Brockmann
Niedersächsisches Kultusministerium
Referatsgruppe Innovationen


[1] European Foundation for Quality Management